Angebotskalkulation erstellen
Eine solide Kalkulation ist das Fundament jedes erfolgreichen Angebots bei öffentlichen Ausschreibungen. Sie entscheidet nicht nur über den Zuschlag, sondern auch über die Wirtschaftlichkeit des Auftrags.
Grundlagen der Angebotskalkulation
Die Kalkulation öffentlicher Aufträge unterscheidet sich in einigen Punkten von der privatwirtschaftlichen Kalkulation. Öffentliche Auftraggeber haben das Recht, ungewöhnlich niedrige oder hohe Preise aufzuklären. Ihre Kalkulation muss daher nachvollziehbar und marktgerecht sein.
Kostenarten verstehen
Eine vollständige Kalkulation umfasst folgende Kostenarten:
Einzelkosten der Teilleistungen (EKT):
- Materialkosten (inkl. Transport und Verschnitt)
- Lohnkosten (nach Tariflohn oder Betriebslohn)
- Gerätekosten (Vorhaltung, Betrieb, Reparatur)
- Nachunternehmerleistungen
Gemeinkosten:
- Baustellengemeinkosten (BGK): Bauleitung, Einrichtung, Versicherungen
- Allgemeine Geschäftskosten (AGK): Verwaltung, Miete, Gehälter der Geschäftsführung
Zuschläge:
- Wagnis und Gewinn (W+G): Üblicherweise 2–5 % für Wagnis, 3–8 % für Gewinn
- Ggf. Skonti und Nachlässe
Kalkulationsmethoden
Es gibt verschiedene Methoden zur Preisermittlung:
- Zuschlagskalkulation: Die gängigste Methode – auf die Einzelkosten werden prozentuale Zuschläge für Gemeinkosten und Gewinn addiert.
- Endsummenkalkulation (Über-/Unterverteilung): Die Zuschläge werden auf die Gesamtsumme angewendet und dann auf die Positionen verteilt.
- Deckungsbeitragskalkulation: Für strategische Angebote – Fokus auf den Beitrag zur Fixkostendeckung.
Häufige Fehler bei der Kalkulation
- Mischkalkulation: Einzelne Positionen werden bewusst hoch oder niedrig kalkuliert. Dies kann zum Ausschluss führen, wenn es als unplausibel erkannt wird.
- Fehlende Nachunternehmerpreise: Holen Sie Preise rechtzeitig ein – Schätzungen führen zu Risiken.
- Veraltete Materialpreise: Nutzen Sie aktuelle Preislisten, insbesondere bei volatilen Rohstoffen.
- Vergessene Nebenkosten: Transport, Entsorgung, Baustelleneinrichtung und ähnliche Positionen werden oft übersehen.
Praxistipps
- Erstellen Sie Kalkulationsvorlagen für wiederkehrende Leistungsarten.
- Führen Sie eine Nachkalkulation abgeschlossener Projekte durch, um Ihre Ansätze zu verbessern.
- Bei VOB-Ausschreibungen im Bauwesen gelten besondere Regeln zur Preisermittlung.
- Nutzen Sie Patterno BID für die automatisierte Positionskalkulation – insbesondere im Baubereich spart der Kalkulations-Agent enorm viel Zeit.
Aufklärungsgespräch vorbereiten
Öffentliche Auftraggeber können bei ungewöhnlich niedrigen Preisen eine Aufklärung verlangen. Seien Sie vorbereitet:
- Halten Sie Ihre Kalkulationsgrundlagen bereit (Lohnansätze, Materialpreise, Angebote von Lieferanten).
- Erklären Sie besondere Effizienzvorteile, die Ihren niedrigen Preis rechtfertigen.
- Zeigen Sie, dass Ihr Preis alle Kosten deckt und der Auftrag wirtschaftlich ausführbar ist.
Fazit
Eine professionelle Kalkulation erfordert Erfahrung, aktuelle Daten und eine strukturierte Vorgehensweise. Investieren Sie Zeit in gute Kalkulationsgrundlagen – sie sind die Basis für profitable öffentliche Aufträge.