Leistungsverzeichnis richtig lesen
Das Leistungsverzeichnis (LV) ist das zentrale Dokument jeder Ausschreibung. Es beschreibt Art, Umfang und Qualität der zu erbringenden Leistungen. Wer das LV falsch interpretiert, kalkuliert falsch – und verliert entweder den Zuschlag oder Geld.
Aufbau eines Leistungsverzeichnisses
Ein typisches LV gliedert sich wie folgt:
Hierarchische Struktur:
- Lose – Große Auftragseinheiten, die getrennt vergeben werden können
- Titel/Abschnitte – Thematische Gruppierungen (z. B. Erdarbeiten, Rohbau, Ausbau)
- Positionen – Einzelne Leistungspositionen mit Beschreibung, Menge und Einheit
Jede Position enthält:
- Positionsnummer (z. B. 01.02.003)
- Kurzbeschreibung der Leistung
- Langtext mit detaillierter Beschreibung
- Menge (Vordersatz) und Einheit (Stück, m², m³, kg, Stunden, Pauschale)
- Felder für Einheitspreis und Gesamtpreis
Positionsarten
Nicht alle Positionen im LV sind gleich. Die wichtigsten Arten:
- Normalpositionen: Werden in die Wertung einbezogen und müssen zwingend bepreist werden.
- Bedarfspositionen: Nur auf Abruf – werden in die Wertungssumme einbezogen, müssen bepreist werden.
- Alternativpositionen: Alternative zu einer Normalposition – werden nur gewertet, wenn der Auftraggeber sich dafür entscheidet.
- Eventualpositionen: Werden nur bei Bedarf abgerufen und oft nicht in die Wertungssumme einbezogen.
- Zulagepositionen: Zusätzliche Leistungen zu einer Grundposition.
Häufige Fallstricke
- Unklare Leistungsabgrenzung: Wo endet eine Position, wo beginnt die nächste? Im Zweifel fragen.
- Unrealistische Mengen: Prüfen Sie Vordersätze kritisch – bei Mengenänderungen über 10 % können Nachträge entstehen.
- Fehlende Nebenleistungen: Im VOB-Bereich sind bestimmte Nebenleistungen implizit enthalten (§ 4 Abs. 1 VOB/B).
- GAEB-Dateien: Bei elektronischen LV im GAEB-Format können beim Import Daten verloren gehen. Immer mit der PDF-Version abgleichen.
Tipps für die Praxis
- Lesen Sie immer den Langtext – der Kurztext kann irreführend sein.
- Markieren Sie unklare Positionen und stellen Sie frühzeitig Bieterfragen.
- Erstellen Sie ein Kalkulationsblatt parallel zum LV für Ihre interne Berechnung.
- Nutzen Sie Patterno zur effizienten Suche nach Ausschreibungen mit LV in Ihrem Fachbereich.
GAEB-Format verstehen
Viele LV werden im GAEB-Format bereitgestellt (Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen):
- GAEB DA XML: Aktuelles Format für den elektronischen Datenaustausch
- GAEB 90/2000: Ältere Formate, noch bei einigen Auftraggebern im Einsatz
- Nutzen Sie geeignete Software (z. B. ORCA AVA, California.pro) zum Import und zur Bearbeitung
Fazit
Ein Leistungsverzeichnis richtig zu lesen, erfordert Übung und Aufmerksamkeit. Nehmen Sie sich die Zeit, jede Position sorgfältig zu analysieren. Bei Unklarheiten stellen Sie Bieterfragen – das zeigt Kompetenz und schützt Sie vor teuren Fehlinterpretationen.