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Leistungsverzeichnis richtig lesen

So entschlüsseln Sie ein Leistungsverzeichnis – Struktur, Positionen und typische Fallstricke.

Übersicht der Schritte

  1. 1

    Struktur verstehen

    Lernen Sie den Aufbau eines LV kennen: Titel, Lose, Positionen, Mengen und Einheiten.

  2. 2

    Positionsarten unterscheiden

    Unterscheiden Sie Normal-, Bedarfs-, Eventual- und Alternativpositionen und deren Auswirkung auf die Wertung.

  3. 3

    Mengen und Einheiten prüfen

    Prüfen Sie die Vordersätze auf Plausibilität und achten Sie auf die vorgegebenen Einheiten.

  4. 4

    Ergänzende Dokumente einbeziehen

    Beachten Sie die Baubeschreibung, Pläne und Vertragsbedingungen, die das LV ergänzen.

  5. 5

    Risiken und Unklarheiten identifizieren

    Notieren Sie unklare Positionen und nutzen Sie Bieterfragen zur Klärung vor der Angebotsabgabe.

Leistungsverzeichnis richtig lesen

Das Leistungsverzeichnis (LV) ist das zentrale Dokument jeder Ausschreibung. Es beschreibt Art, Umfang und Qualität der zu erbringenden Leistungen. Wer das LV falsch interpretiert, kalkuliert falsch – und verliert entweder den Zuschlag oder Geld.

Aufbau eines Leistungsverzeichnisses

Ein typisches LV gliedert sich wie folgt:

Hierarchische Struktur:

  1. Lose – Große Auftragseinheiten, die getrennt vergeben werden können
  2. Titel/Abschnitte – Thematische Gruppierungen (z. B. Erdarbeiten, Rohbau, Ausbau)
  3. Positionen – Einzelne Leistungspositionen mit Beschreibung, Menge und Einheit

Jede Position enthält:

  • Positionsnummer (z. B. 01.02.003)
  • Kurzbeschreibung der Leistung
  • Langtext mit detaillierter Beschreibung
  • Menge (Vordersatz) und Einheit (Stück, m², m³, kg, Stunden, Pauschale)
  • Felder für Einheitspreis und Gesamtpreis

Positionsarten

Nicht alle Positionen im LV sind gleich. Die wichtigsten Arten:

  • Normalpositionen: Werden in die Wertung einbezogen und müssen zwingend bepreist werden.
  • Bedarfspositionen: Nur auf Abruf – werden in die Wertungssumme einbezogen, müssen bepreist werden.
  • Alternativpositionen: Alternative zu einer Normalposition – werden nur gewertet, wenn der Auftraggeber sich dafür entscheidet.
  • Eventualpositionen: Werden nur bei Bedarf abgerufen und oft nicht in die Wertungssumme einbezogen.
  • Zulagepositionen: Zusätzliche Leistungen zu einer Grundposition.

Häufige Fallstricke

  1. Unklare Leistungsabgrenzung: Wo endet eine Position, wo beginnt die nächste? Im Zweifel fragen.
  2. Unrealistische Mengen: Prüfen Sie Vordersätze kritisch – bei Mengenänderungen über 10 % können Nachträge entstehen.
  3. Fehlende Nebenleistungen: Im VOB-Bereich sind bestimmte Nebenleistungen implizit enthalten (§ 4 Abs. 1 VOB/B).
  4. GAEB-Dateien: Bei elektronischen LV im GAEB-Format können beim Import Daten verloren gehen. Immer mit der PDF-Version abgleichen.

Tipps für die Praxis

  • Lesen Sie immer den Langtext – der Kurztext kann irreführend sein.
  • Markieren Sie unklare Positionen und stellen Sie frühzeitig Bieterfragen.
  • Erstellen Sie ein Kalkulationsblatt parallel zum LV für Ihre interne Berechnung.
  • Nutzen Sie Patterno zur effizienten Suche nach Ausschreibungen mit LV in Ihrem Fachbereich.

GAEB-Format verstehen

Viele LV werden im GAEB-Format bereitgestellt (Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen):

  • GAEB DA XML: Aktuelles Format für den elektronischen Datenaustausch
  • GAEB 90/2000: Ältere Formate, noch bei einigen Auftraggebern im Einsatz
  • Nutzen Sie geeignete Software (z. B. ORCA AVA, California.pro) zum Import und zur Bearbeitung

Fazit

Ein Leistungsverzeichnis richtig zu lesen, erfordert Übung und Aufmerksamkeit. Nehmen Sie sich die Zeit, jede Position sorgfältig zu analysieren. Bei Unklarheiten stellen Sie Bieterfragen – das zeigt Kompetenz und schützt Sie vor teuren Fehlinterpretationen.

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