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VergabeverfahrenFortgeschritten10 min Lesezeit

Leitfaden Unterschwellenvergabe

Was bei Vergaben unterhalb der EU-Schwellenwerte gilt – UVgO, VOB/A und die wichtigsten Regeln.

Übersicht der Schritte

  1. 1

    Schwellenwerte kennen

    Lernen Sie die aktuellen EU-Schwellenwerte und die Unterscheidung zwischen Ober- und Unterschwellenvergabe.

  2. 2

    Rechtsrahmen verstehen

    Machen Sie sich mit UVgO (Liefer-/Dienstleistungen) und VOB/A Abschnitt 1 (Bauleistungen) vertraut.

  3. 3

    Vergabearten unterscheiden

    Verstehen Sie die Vergabearten: Öffentliche Ausschreibung, Beschränkte Ausschreibung, Verhandlungsvergabe, Direktauftrag.

  4. 4

    Besonderheiten beachten

    Beachten Sie die vereinfachten Regeln bei Unterschwellenvergaben: kürzere Fristen, weniger Formalismus.

  5. 5

    Rechtsschutz einschätzen

    Verstehen Sie die eingeschränkten Rechtsschutzmöglichkeiten im Unterschwellenbereich.

Leitfaden Unterschwellenvergabe

Die Mehrheit aller öffentlichen Aufträge liegt unterhalb der EU-Schwellenwerte. Für diese Vergaben gelten andere, oft weniger formale Regeln. Dieser Leitfaden erklärt die wichtigsten Unterschiede.

EU-Schwellenwerte (Stand 2024/2025)

Die Schwellenwerte werden alle zwei Jahre angepasst:

AuftragsartSchwellenwert (netto)
Liefer- und Dienstleistungen (Bund)143.000 EUR
Liefer- und Dienstleistungen (Kommunen)221.000 EUR
Bauleistungen5.538.000 EUR
Konzessionen5.538.000 EUR

Unterhalb dieser Werte: Unterschwellenvergabe nach nationalem Recht Oberhalb dieser Werte: EU-weite Vergabe nach GWB/VgV

Rechtsrahmen im Unterschwellenbereich

Für Liefer- und Dienstleistungen:

  • UVgO (Unterschwellenvergabeordnung): Seit 2017 die zentrale Regelung
  • Gilt in den meisten Bundesländern (durch Verwaltungsvorschrift eingeführt)

Für Bauleistungen:

  • VOB/A Abschnitt 1: Regeln für Vergaben unterhalb des Schwellenwerts
  • Gilt bundesweit einheitlich

Vergabearten im Unterschwellenbereich

1. Öffentliche Ausschreibung (§ 9 UVgO / § 3 VOB/A)

  • Unbegrenzte Anzahl von Bietern kann teilnehmen
  • Standard-Vergabeart – Vorrang vor anderen Verfahren

2. Beschränkte Ausschreibung (§ 10/11 UVgO / § 3 VOB/A)

  • Nur ausgewählte Unternehmen werden zur Angebotsabgabe aufgefordert
  • Mit oder ohne Teilnahmewettbewerb möglich

3. Verhandlungsvergabe (§ 12 UVgO / § 3 VOB/A)

  • Der Auftraggeber verhandelt mit ausgewählten Bietern
  • Nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig

4. Direktauftrag (§ 14 UVgO)

  • Bis 1.000 EUR (netto) ohne formales Vergabeverfahren
  • Einfache Markterkundung genügt

Unterschiede zur Oberschwellenvergabe

AspektUnterschwelleOberschwelle
RechtsrahmenUVgO / VOB/A Abschn. 1GWB / VgV / VOB/A Abschn. 2
BekanntmachungOft nur regionalEU-weit auf TED
FristenKürzer (z. B. 10 Tage)Länger (z. B. 30-35 Tage)
RechtsschutzEingeschränktVergabekammer
FormalismusGeringerStrenger

Chancen für KMU

Die Unterschwellenvergabe bietet besondere Chancen für kleine und mittlere Unternehmen:

  • Regionale Nähe wird oft bevorzugt
  • Geringere Eignungsanforderungen als bei EU-weiten Vergaben
  • Kürzere Verfahren – schnellere Zuschlagserteilung
  • Weniger Bürokratie – einfachere Angebotsunterlagen

Tipp

Viele Unterschwellenvergaben werden nur auf regionalen Portalen veröffentlicht. Mit Patterno HIT durchsuchen Sie automatisch auch diese kleineren Portale und verpassen keine relevante Ausschreibung in Ihrer Region.

Fazit

Die Unterschwellenvergabe ist der ideale Einstieg in öffentliche Aufträge. Geringere Anforderungen, kürzere Verfahren und regionale Nähe machen sie besonders für KMU attraktiv. Verstehen Sie den Rechtsrahmen und nutzen Sie die Chancen.

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