Was ist eine Wertungsmethode?
Die Wertungsmethode ist das systematische Verfahren, mit dem eingereichte Angebote in einem Vergabeverfahren bewertet und in eine Rangfolge gebracht werden. Sie stellt sicher, dass der Zuschlag auf das wirtschaftlichste Angebot erteilt wird – transparent, nachvollziehbar und gleichbehandlungskonform.
Rechtliche Grundlagen
Die Angebotswertung ist in verschiedenen Vorschriften geregelt:
- § 127 GWB: Zuschlag und Zuschlagskriterien
- § 58 VgV: Zuschlag – Zuschlag auf das wirtschaftlichste Angebot
- § 43 UVgO: Wertung der Angebote im Unterschwellenbereich
- § 16d VOB/A: Prüfung und Wertung der Angebote bei Bauvergaben
- Informationsschrift der BMWK: Hinweise zur Bewertungsmethodik
Die vier Wertungsstufen
Die Angebotswertung erfolgt in vier aufeinander aufbauenden Stufen:
Stufe 1: Formale Prüfung
- Fristgerechte Abgabe?
- Vollständigkeit der Unterlagen?
- Ordnungsgemäße Unterschrift/Signatur?
- Keine Änderungen an den Vergabeunterlagen?
Stufe 2: Eignungsprüfung
- Fachkunde des Bieters nachgewiesen?
- Leistungsfähigkeit (technisch und finanziell) belegt?
- Zuverlässigkeit gegeben?
- Keine Ausschlussgründe (§§ 123, 124 GWB)?
Stufe 3: Angemessenheit der Preise
- Prüfung auf ungewöhnlich niedrige Angebote (§ 60 VgV)
- Prüfung auf unangemessen hohe Preise
- Aufklärung bei Auffälligkeiten
Stufe 4: Ermittlung des wirtschaftlichsten Angebots
- Anwendung der Zuschlagskriterien und der Wertungsmethode
- Erstellung der Wertungsmatrix
- Rangfolgebestimmung
Gängige Wertungsmethoden
Es gibt verschiedene mathematische Methoden zur Ermittlung des wirtschaftlichsten Angebots:
1. Einfache Richtwertmethode (UfAB):
Die einfache Richtwertmethode berechnet einen Leistungs-Preis-Quotienten:
Kennzahl = Leistungspunkte / Preis
Das Angebot mit der höchsten Kennzahl erhält den Zuschlag.
2. Erweiterte Richtwertmethode (UfAB):
Ähnlich der einfachen Methode, aber mit einem Schwankungsbereich um den besten Wert. Alle Angebote innerhalb des Schwankungsbereichs werden als gleichwertig betrachtet.
3. Gewichtete Punktbewertung (Scoring-Modell):
| Kriterium | Gewichtung | Bewertungsskala |
|---|---|---|
| Preis | 60 % | 0-10 Punkte (linear) |
| Qualitätskonzept | 20 % | 0-10 Punkte (Schulnotensystem) |
| Personal | 15 % | 0-10 Punkte (nach Qualifikation) |
| Nachhaltigkeitskonzept | 5 % | 0-10 Punkte (nach Inhalt) |
Gesamtpunktzahl = Σ (Teilpunktzahl × Gewichtung)
4. Medianmethode (bei Bauvergaben):
Der Median aller Angebotspreise dient als Referenzwert. Angebote werden nach ihrer Abweichung vom Median bewertet.
5. Interpolationsmethode (Preisbewertung):
Lineare Interpolation zwischen dem günstigsten und einem Referenzpreis:
- Günstigstes Angebot: Maximalpunktzahl
- Teuerstes Angebot: 0 Punkte (oder Mindestpunktzahl)
- Übrige: Proportional interpoliert
Bewertung qualitativer Kriterien
Qualitative Zuschlagskriterien werden häufig nach dem Schulnotensystem bewertet:
| Note | Bewertung | Punkte |
|---|---|---|
| 1 | Sehr gut – Erwartungen deutlich übertroffen | 10 |
| 2 | Gut – Erwartungen übertroffen | 8 |
| 3 | Befriedigend – Erwartungen voll erfüllt | 6 |
| 4 | Ausreichend – Erwartungen gerade noch erfüllt | 4 |
| 5 | Mangelhaft – Erwartungen nicht erfüllt | 0 |
Anforderungen an die Wertungsmethode
Die gewählte Wertungsmethode muss bestimmten Anforderungen genügen:
- Transparenz: Methode muss in den Vergabeunterlagen bekannt gemacht werden
- Diskriminierungsfreiheit: Keine Bevorzugung bestimmter Bieter
- Nachvollziehbarkeit: Ergebnis muss rechnerisch überprüfbar sein
- Vorabfestlegung: Methode darf nach Angebotsöffnung nicht mehr geändert werden
- Verhältnismäßigkeit: Bewertungsmethode muss zum Auftragsgegenstand passen
Häufige Fehler bei der Wertung
Vergaberechtliche Fehler bei der Angebotswertung führen häufig zu erfolgreichen Nachprüfungsanträgen:
- Nachträgliche Änderung der Gewichtung: Nach Angebotsöffnung unzulässig
- Intransparente Bewertung: Fehlende Begründung der Bewertungsnoten
- Unzulässige Kriterien: Kriterien, die nicht in der Bekanntmachung genannt wurden
- Fehlerhafte Preisbewertung: Rechnerische Fehler bei der Interpolation
- Vermischung von Eignungs- und Zuschlagskriterien: Strenge Trennung erforderlich
Praxistipp für Bieter
Analysieren Sie die Wertungsmethode und die Gewichtung der Zuschlagskriterien genau. Konzentrieren Sie Ihre Angebotserstellung auf die Kriterien mit der höchsten Gewichtung. Bei einer 60/40-Gewichtung (Preis/Qualität) ist ein gutes Konzept wertvoller als bei 80/20.
Patterno hilft
Patterno extrahiert automatisch die Zuschlagskriterien und deren Gewichtung aus den Vergabeunterlagen. So erkennen Sie auf einen Blick, worauf es bei der Angebotserstellung ankommt – ob Preis dominiert oder qualitative Kriterien den Unterschied machen.